Gemeinsinn im Sport

Das Kunstwerk Gemeinsinn von Michael Bögle ist eine Auftragsarbeit, welche als Intention die Verkörperung von „Gemeinsinn im Sport“ durch eine andere Ausdrucksform, der Kunst, zum Ausdruck bringen sollte. Aus Sicht der Kontakt Stiftung ist dem renommierten Freiburger Künstler, Michael Bögle, dieses in besonderer Weise gelungen, was in der Werkbeschreibung nachvollziehbar ist.

Welche eine gelungene Überleitung zur Projektbeschreibung darstellt, der mit dem „Gemeinsinn im Sport“ befassten Wissenschaftlern.

Dieses Stiftungsprojekt an der Universität Konstanz ist neu und aktuell, hier fand ein Treffen der Projektbeteiligten am 06. November 2020 virtuell statt. Aus diesem hat sich die nachfolgende Projektbeschreibung ergeben:

Aktuelle Projektbeschreibung (Stand 23.11.2020):

In unserem Projekt „Gemeinsinn im Sport“ machen wir uns Gedanken über die Frage, wie der Gemeinsinn die Menschen im Sport verbindet. Wir gehen davon aus, dass der Sport kein Schauplatz für Einzelkämpfer_innen ist, sondern ein spezifisches soziales Band stiftet. Dieses soziale Band nennen wir „Gemeinsinn“, weil es ein Bewusstsein – ein Sinn – für diese Verbindungen und die damit verbundene Frage, wie wir eigentlich miteinander umgehen (wollen), braucht. Dazu gehört zum einen eine aktive Sportkultur, die uns auffordert, miteinander zu diskutieren, gemeinsame Feste zu feiern oder unseren täglichen Trainingsritualen nachzugehen. Zum anderen steht Gemeinsinn für die Auseinandersetzung jedes Einzelnen mit den kleinen und großen Themen des Sports (z.B. Trainingsgestaltung, Wettkampfansetzungen, aber auch sexueller Missbrauch oder Medaillenfixierung). Deshalb orientieren wir uns an einem Leitbild, das Hans Lenk in einem berühmten Aufsatz geprägt hat: dem „mündigen Athleten“. Ohne mündige Athletinnen und Athleten kann es keinen Gemeinsinn im Sport geben. Und ohne Trainer_innen, die Raum für Selbstbestimmung, Kritik und Reflexion lassen, kann es wiederum keine mündigen Athleten geben. Darüber hinaus sind auch Funktionäre und alle anderen sportlichen Mitstreiter gefragt, ein Umfeld zu schaffen, in dem auf eine mündige Art und Weise an Themen gemeinsam gearbeitet werden kann. Ganz konkret wollen wir also von allen Beteiligten wissen, was wir für den Gemeinsinn in einer Kultur der Mündigkeit tun können und was diesen Gemeinsinn aktuell bedroht.

Praxisumsetzung im laufenden Projekt

Verantwortliche Wissenschaftler

 

Prof. Dr. Aleida Assmann

Photograph: Philipp Rothe
Prof. Dr. Aleida Assmann ist Kulturwissenschaftlerin und emeritierte Professorin für Anglistik an der Universität Konstanz. Ihre Forschungsinteressen umfassen Erinnerungsforschung, die Rolle von Generationen in Literatur und Gesellschaft und Theorien der Erinnerungskultur. Neben zahlreichen Werken zur englischen Literatur- und Kulturgeschichte hat sie sich intensiv mit der bundesrepublikanischen Gedächtnisgeschichte nach 1945 beschäftigt und mischt sich auch mit Interventionen in den gesellschaftlichen Diskurs ein. Dazu gehören ihre jüngsten Buchpublikationen: Menschenrechte und Menschenpflichten (2018), Der europäische Traum (2018) und Die Wiedererfindung der Nation. Warum wir sie fürchten und warum wir sie brauchen (2020).    
 

Prof. Dr. Jan Assmann

Photograph: Philipp Rothe
Prof. Dr. Jan Assmann ist Ägyptologe, Religionswissenschaftler, Kulturwissenschaftler und emeritierter Professor der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. In seiner Forschung beschäftigt er sich insbesondere mit der Kultur des Alten Ägypten und der Entstehung des Monotheismus. Bahnbrechend war seine Studie Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen (1992). Zu seinen aktuellen Monographien gehören Kult und Kunst. Beethovens Missa Solemnis (2020) sowie Achsenzeit. Eine Archäologie der Moderne (2018).  
 
Prof. Dr. Aleida Assmann und Prof. Dr. Jan Assmann, die gemeinsam mit dem Balzan-Preis (2017) und dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels (2018) ausgezeichnet wurden, haben mit ihren Forschungen und Publikationen den Begriff des kulturellen Gedächtnisses geprägt und damit neue Wege für geisteswissenschaftliche Forschung geöffnet. Ihre Publikationen zu diesem Thema haben weit über die akademischen Debatten hinaus auch ein öffentliches Interesse gefunden.

Seit März 2020 haben beide zusammen mit Prof. Dr. Christiane Bertram mit dem Eberle-Preis an der Universität Konstanz das interdisziplinäre Forschungsprojekt Gemeinsinn. Was ihn bedroht und was wir für ihn tun können ins Leben gerufen. Das von der Kontakt-Stiftung geförderte Projekt Gemeinsinn im Sport ist daran assoziiert.  
 

Dr. Tobias Arenz

Dr. Tobias Arenz ist Mitarbeiter der Deutschen Sporthochschule Köln (Abteilung Philosophie, Zentrum für Sportlehrer*innenbildung) Studium der Sportwissenschaften, Geschichtswissenschaften und Erziehungswissenschaften an der Universität zu Köln und der Deutschen Sporthochschule Köln Promotion zum Dr. phil (s.c.l.) mit einer Arbeit zur „Gesellschaftstheorie nach Luhmann“ (ausgezeichnet mit dem Nachwuchspreis der Deutschen Sporthochschule Köln)

Arbeits- und Interessenschwerpunkte:

Olympischer Sport; Erziehungstheorie; Bildungstheorie; Gesellschaftstheorie; Systemtheorie; Kritische Rechtstheorie; Transfer in der Sportlehrer*innenbildung

Lehrtätigkeiten:

Bildungswissenschaften & Sportwissenschaften; im speziellen: Erziehung & Bildung; Schulsport; Medienethik; Wissenschaftsethik; sozialwissenschaftliches Denken und Arbeiten

Aktuelle Veröffentlichungen:

Arenz, Tobias (2020). Die Spur der Gesellschaft. Reflexionen zur Gesellschaftstheorie nach Luhmann. Weilerswist: Velbrück.
Arenz, Tobias & Niot, Nicolas (2020): Bürgerliche Gesellschaft und Neoliberalismus. In Volker Schürmann: Mündige Leiber. Grundlagen von modernem Sport und körperlicher Bildung. Darmstadt: wbg academics.

Links: https://fis.dshs-koeln.de/portal/de/persons/tobias-arenz%285ec8e32b-124e-4771-b66a-dde72e6088be%29.html
 

Dr. David Jaitner

Dr. David Jaitner studierte Sport, Germanistik und Erziehungswissenschaften an der Universität Augsburg. Im Jahr 2017 promovierte er an der Deutschen Sporthochschule Köln mit einer pragmatistischen Perspektive auf die demokratische Funktion von Sportvereinen. Seit Februar 2019 verwaltet er die Professur für Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Bewegungspädagogik an der Technischen Universität Braunschweig mit. Die Forschungsinteressen von Dr. David Jaitner liegen in der grundlagentheoretischen Auseinandersetzung mit dem philosophischen Pragmatismus und theoriegeleiteten sozialempirischen Annäherungen an soziale Funktionen von Sport und Bewegung in unterschiedlichen Settings.  
 

Dr. Petra Rogge

Dr. Petra Rogge ist Mutter von drei (inzwischen erwachsenen) Kindern; Pädagogin in der ambulanten Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, Philosophin in eigener Praxis und Lehrbeauftragte für Sportphilosophie, Ethik in Sport, Medizin und Sozialer Arbeit (Universität Konstanz, Stuttgart, Zürich, Duale Hochschulen Baden Württemberg, Evangelische Hochschule Darmstadt).

Aktuelle Veröffentlichung (März 2021): „Der aufeinander einspielende Takt. Hüter leiblicher Würde“. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Arbeits- und Interessenschwerpunkte:

Philosophien der Praxis; Leibliche Bildung; Körperkulturen, Krisen und Vulnerabilität; Sport, Spiel und Kampf; Zivilgesellschaft und Zivilität; Mitmenschlichkeit und Weltoffenheit u.a.m.; Leitfragen zum Mit-Sein: „In welcher Welt (Gesellschaft) wollen wir leben? Wie wollen wir dort mit uns, anderen und anderem umgehen?